Wacker-Obmann Gerhard Stocker behält auch in schwierigen Zeiten den Blick auf das WesentlicheWacker-Obmann Gerhard Stocker behält auch in schwierigen Zeiten den Blick auf das Wesentliche

Obmann Gerhard Stocker führt das Schiff des FC Wacker Innsbruck derzeit angesichts der schwierigen Tabellensituation durch unruhige Gewässer. Das Ruder behält er dabei trotzdem fest in seiner Hand und hält am eingeschlagenen Kurs des Tiroler Traditionsvereins fest. Im Interview erklärt er, wie das langfristige Konzept des Vereins auch im Fall eines Abstiegs Bestand haben kann und warum es gerade jetzt wichtig ist, auf Nachhaltigkeit zu setzen und alle Beteiligten vom Weg des FC Wacker Innsbruck zu überzeugen.


Nach der 1:4-Niederlage gegen Rapid hat der FC Wacker Innsbruck fünf Punkte Rückstand auf den rettenden neunten Platz. Wie groß ist der Glaube, dass wir die ganze Sache im letzten Moment doch noch herumreißen können?

Es liegt nicht in meinem Bereich, die Spieler und das gesamte sportliche Umfeld sind gefordert. Im Endeffekt ist es so: Abgerechnet wird am 26. April nach dem Spiel gegen die Austria. Wir können aber mit jedem Ergebnis, das herauskommt, leben. wir werden weiter ganz gezielt arbeiten und vor allem das Langfristkonzept nicht aus den Augen verlieren. Es hat keinen Sinn, jetzt kurzfristig panikartige Aktionen zu setzen, wichtig ist die Nachhaltigkeit und die Langfristigkeit.

Wie schwierig ist diese Situation, mit aller Kraft um den Klassenerhalt zu kämpfen und gleichzeitig das Thema Red Zac-Liga nicht aus den Augen zu verlieren?

Es ist eine Herausforderung, aber so schwierig ist es auch nicht. Sportlich kann der Vorstand zum Klassenerhalt nichts beitragen. Was wir tun können, ist, uns Gedanken zu machen wie es weiter geht in der Red Zac, falls wir den Klassenerhalt nicht schaffen. Da sind klar die Weichen gestellt, es wird keine Panikreaktionen geben. Es gilt, die Sponsoren dafür zu gewinnen, dass sie hoffentlich die Sponsorenbeträge nicht reduzieren, sondern ganz im Gegenteil unser Konzept, das auf Langfristigkeit beruht, mittragen. Das, was wir unter Umständen 2002 versäumt haben, weil man sich damals nur auf die Kampfmannschaft konzentriert hat, muss man jetzt nachholen und mit entsprechenden finanziellen Mitteln das Langfristkonzept absichern.

Du hast die finanzielle Komponente angesprochen: Gibt es von den Sponsoren Zusicherungen, auch bei einem Abstieg in die Red Zac-Liga die Zahlungen weiter zu leisten?

Wir haben ca. 80 Sponsoren, kleinere Sponsoren, Großsponsoren, den Hauptsponsor. Wir haben Zusicherungen und Verträge unter Dach und Fach, die auch für die zweite Liga gelten, aber es müssen natürlich umfassend Gespräche geführt werden. Ich hoffe, dass es uns gelingt, unsere Unterstützer so weit von unserem Konzept zu überzeugen, dass sie wenig bis gar nichts reduzieren, vielleicht sogar das eine oder andere noch erhöhen.

Sollte der FC Wacker absteigen, gibt es zwei Szenarien. Entweder man versucht, auf Biegen und Brechen den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen, dafür müsste man aber einen Großteil der Mannschaft halten. Oder man wählt die zweite Variante eines längerfristigen Konzeptes. Wurde bei der gestrigen Vorstandssitzung thematisiert, welchen Weg man einschlagen will?


Das hängt natürlich auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Meines Erachtens kann man das aber nicht so schwarz-weiß sehen. Ich sehe es so, dass es durchaus parallel möglich ist, dass man die Kampfmannschaft mit Schlagkraft bestückt und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass man innerhalb einer absehbaren Zeit, sprich zwei bis drei Jahren, wieder in der Bundesliga ist. Gott sei Dank ist auch jetzt klar, dass das alles nicht NUR vom Geld abhängt, sondern auch von Emotionen. Eines ist ganz, ganz schwierig: zu sagen, dass wir antreten und den sofortigen Wiederaufstieg wollen. Das haben schon so viele probiert. Auch 2003 bei unserem Aufstieg in die Red Zac-Liga haben wir vom Aufstieg in zwei, drei Jahren gesprochen, dass es im ersten Jahr schon gelungen ist, war damals eine Bombenüberraschung.

Kann man sagen, dass ein Abstieg zwar schmerzt, aber die Welt davon auch nicht untergeht und die Leute nur nicht die Nerven wegschmeißen sollen?

Für mich sehen Katastrophen grundsätzlich ganz anders aus. Das ist eine sportliche Sache, Gott sei Dank handelt es sich um Sport. Wir haben wieder die Herausforderung, jetzt nachhaltig und fundiert aufzubauen, dass der Wacker in ein paar Jahren den Stellenwert im österreichischen Fußball erreicht, den wir erreichen wollten, was eben momentan nicht gelungen ist.

Ein Wort zur Zukunft, unabhängig der Ligazugehörigkeit: Helmut Kraft und auch der Verein haben in den letzten Wochen die Trainingsmöglichkeiten und die Platzverhältnisse kritisiert. Was kann man vom Verein unternehmen, dass das besser wird?


Genauso wie wir bei den Sponsorengesprächen unser Langzeitkonzept besser verkaufen müssen, müssen wir die Verantwortlichen von der Politik dafür gewinnen, dass sie unsere Probleme sehen und uns unterstützen. Ich glaube, dass wir hier einfach zu wenig kommuniziert haben, wie es uns im Tagesgeschäft geht. Wir haben da vieles zugedeckt, müssen aber jetzt auch Klartext sprechen. Wenn es in Innsbruck nicht gelingt, adäquate Trainingsmöglichkeiten zu schaffen, muss man auch daran denken, unter Umständen in eine Umlandgemeinde zu gehen und entweder auf Dauer oder auf Zeit die Trainingszelte dort aufzuschlagen. Derzeit ist es einfach eine Fretterei, in der nächsten Saison kommt dann auch die Amateurmannschaft dazu. Eigentlich spürt man ja schon, dass alle von Sorge erfüllt sind, dass dies wieder auf Rücken der anderen Vereine ausgetragen wird. Das wollen wir überhaupt nicht, wir wollen gemeinsam mit den anderen Vereinen ein tolles Konzept vom Breiten- zum Spitzensport aufbauen. Der Breitensport soll einen Spitzensportklub haben, auf den sie stolz sind und dem sie gern zuarbeiten.

Vorstandsmitglied Johannes Marsoner ist heute in einer Tageszeitung zitiert worden, dass man bei einem Abstieg jede Position im Verein überdenken müsse. Weiß man schon, ob und welche Einsparungen es geben könnte?


Ich gehe davon aus, dass allen klar ist, dass eine Reduzierung der Finanzmittel der falsche Weg wäre. Dann wäre es ganz schwierig, in halbwegs kurzer Zeit wieder eine Rolle im österreichischen Fußball zu spielen. Wenn man so anfängt, ist es meines Erachtens von Haus aus ein Rohrkrepierer. Wir müssen so weiterarbeiten, wie wenn wir bereits diese Rolle im österreichischen Fußball spielen würden.

Wie sehen die nächsten Tage für dich, den Vorstand und auch den Beirat, von dem man in letzter Zeit nicht viel gehört hat, aus? Was wird gemacht?

Wir werden Gespräche führen und versuchen zu erreichen, dass unsere Unterstützer unser Konzept mittragen. Der Beirat wird hoffentlich eine Vorreiterrolle spielen. Vom Beirat und den Firmen, die darin vertreten sind, soll eine Sogwirkung ausgehen für andere Firmen, dass man stolz ist, uns zu unterstützen, damit wir unser Konzept umsetzen können.


Die Online Redaktion des FC Wacker Innsbruck dankt Wacker-Obmann Gerhard Stocker für das ausführliche Gespräch.

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